Leseprobe   -  Chauffeur de taxi

(für weitere Informationen bitte auf Anthologien klicken :) KLICK


Endlich, geschafft!, denke ich mir, als wir in Saint-Tropez landen und das Flugzeug in Parkposition zum Stehen kommt. Wie ich den Rückflug überstehen soll, will ich mir jetzt noch gar nicht vorstellen. Wieso muss mein Chef gerade mich hierhin schicken? Verdammter Scheißkerl! Was denkt er sich immer dabei? Er weiß ganz genau, dass ich Flugangst habe. Vielleicht will er mich loswerden, damit ich mich bloß nicht mit Kilian treffen kann. Kilian ist unser neuer Abteilungsleiter und hatte von Anfang an ein Auge auf mich geworfen – was mir sehr schmeichelt. Ich genieße seine Aufmerksamkeit sehr. Mittlerweile haben wir sogar eine Art Affäre miteinander. Leider hat mein Chef davon Wind bekommen und erstickt in Eifersucht. So malerisch das Ziel auch sein mag, die Trennung und meine extreme Flugangst lassen es nicht zu, dass ich mich auf diese Auslandsreisen freue. Diese verdammte Hitze hier, denke ich, als ich auf das Thermometer blicke und die Anzeige bereits jetzt schon zweiunddreißig Grad Celsius anzeigt. Ich hoffe nur, dass es im Hotelzimmer eine gute Klimaanlage gibt, sonst werde ich wie eine Primel eingehen. Ich arbeite als Chefassistentin in einer angesagten Immobilienfirma in Köln. Wir kaufen alte Häuser, renovieren sie und verkaufen sie für das Dreifache, manchmal auch das Vierfache. Die Firma wurde vor circa zehn Jahren gegründet und entwickelt sich seither gut. Mittlerweile sind wir international: Spanien, Frankreich, Portugal, Schweiz ... Saint-Tropez, die Stadt der Städte auf dieser Welt, der kleine Hafenort, für den manch einer über Leichen gehen würde, nur um hier leben oder auch bloß arbeiten zu können. Für meine Kollegen ist eine solche Reise in südliche Gefilde immer die Chance auf einen kurzen kostenlosen Urlaub, doch für mich ist es stets eine riesige Qual, in dieser geflügelten Blechkiste zu verharren. Als ich mir meinen Koffer vom Band schnappe, kann ich spüren, dass es diesmal ein unvergessliches Abenteuer werden wird – alleine schon wegen der mir fremden Sprache. Da ich mit meinem Französisch ziemlich weit hinten liege, weil ich die meisten Abendkursstunden lieber mit Freunden verbracht hatte anstatt im Unterricht, bekomme ich bereits jetzt die Quittung. Bereits als ich mir ein Taxi besorgen will, um zum Hotel zu kommen, nimmt das Desaster seinen Lauf. „Bonjour, Monsieur. Please, can you bring me to this hotel?“  Ich bemerkte, wie ich immer leiser werde. Ich hätte kotzen können, weil mein Französisch so unverständlich ist und ich mich mit Englisch durchschlagen muss. Aber was soll ich machen? Keine andere Sprache klingt aus meinem Mund so dissonant und falsch wie Französisch.