Bon Voyage

(Annette Gwozdz)

 

Samstag, 5:00 Uhr früh in Cala Salions. Alle anderen Bewohner der Urbanisation, wie man in Spanien Touristensiedlungen bezeichnet, schlafen tief und fest, erholen sich von der Beach Party, die erst vor zwei Stunden zu Ende gegangen ist. Ich dagegen stehe auf der Terrasse und lausche das letzte Mal in diesem Jahr dem Meeresrauschen, höre, wie die Wellen an den Klippen brechen.

Wir essen noch einen Happen, stopfen das letzte Gepäck in unseren kleinen VW Cross und bereiten uns langsam darauf vor, die fast tausendvierhundert Kilometer lange Heimreise anzutreten.

„Wir brauchen auf jeden Fall ein größeres Auto“, sage ich und stelle den Kaffeebecher in die dafür vorgesehene Ablage. Die Kids machen es sich mit ihren Kissen hinten bequem und wir brechen gegen 6:00 Uhr endlich auf. Einerseits bin ich happy, dass wir wiedermal einen tollen Urlaub erleben durften, andererseits trübt die Aussicht auf den alten Trott, der ab Montag wieder beginnt, meine Laune. Ein Lichtblick: Die Familie daheim weiß, dass wir gegen Abend da sein werden, und wartet mit einem Barbecue auf uns.

„Also, dann mal los“, sage ich im Stillen und sende ein Stoßgebet zum Himmel. Ich mag diesen Weg bis zur Autobahn nicht. Er führt sechzehn Kilometer durch die Pyrenäen und ist ein extremes Serpentinengewirr. Bei Tageslicht ist es so gerade noch okay, doch um diese Zeit ist es noch stockdunkel, und ich werde nervös, wenn ich mir vorstelle, dass nur ein kleiner Fehler von mir uns alle vier in die Tiefe                                                                         katapultieren könnte.

 

Schalte dein Kopfkino endlich aus und konzentriere dich auf die Straße‘, ermahne ich mich und reiße gleichzeitig meine Augen weit auf, weil ich plötzlich auf dem dunklen Weg ein Pärchen sehe.

„Die müssen doch verrückt sein, hier, wo keine Häuser und Hotels sind, rumzulaufen“, schimpfe ich und blicke noch konzentrierter auf die Straße.

Gleich darauf taucht dann wie aus dem Nichts ein riesiges Tier auf. Zuerst denke ich, es ist ein Hund, doch es handelt sich der Größe nach zu urteilen eher um einen Kojoten oder Wolf. Noch im Vorbeifahren entfährt mir ein: „Scheiße, das Pärchen ist doch nur wenige Meter von dieser Bestie entfernt. Sollen wir nicht anhalten und vielleicht Hilfe rufen oder so was ...?“

Der Blick meines Mannes sagt Alles. Genervt verdreht er die Augen.

„Mach dir keinen Kopf. Das Vieh wird bestimmt vor den beiden flüchten. Halt nicht an!“

Ohne weiter darauf einzugehen, fahre ich mit größter Vorsicht weiter. Man vermag sich gar nicht vorzustellen, wie lange so eine Serpentinenstrecke sein kann. Als wir endlich die Autobahn erreichen, steigt die Sonne immer höher, genau wie unsere Laune. Als der Kaffee in unserer Thermoskanne zur Neige geht, machen wir kurz Halt. Vor dem Eingang der Raststätte sitzt ein älterer Mann mit Bart und zerzaustem Haar. Er bittet um Geld und sucht gleichzeitig nach einer Mitfahrgelegenheit. Ich könnte niemals an so jemandem vorbeigehen, ohne ihm etwas zu geben, also hole ich einen Fünf-Euro-Schein aus der Tasche und drücke ihm den in die Hand. Er sieht mich dankbar an: „Gott schütze Sie. Und … eine gute Fahrt noch.“

Ich lächle ihn an: „Nicht dafür und alles Gute!“

Dann verschwinde ich Richtung Auto.

„Leute, Mama hat Gutes getan, also kann heute nichts mehr schiefgehen“, nutze ich die Gelegenheit zu einer Erziehungsbotschaft an meine Kinder und fahre los. Der Tacho zeigt fast 160 km/h, während sich Daddy Yankee die Seele aus dem Leib singt. „Cool, wenn wir weiter so gut durchkommen, sitzen wir in zehn Stunden zuhause im Garten. Hundertfünfzig Kilometer haben wir schon hinter uns! Also, Kinder, ab nach Hause.“

 

 

So gegen 7:30 Uhr, die spanische Grenze liegt hinter uns und wir nähern uns Perpignan, fällt der Wagen plötzlich von 160 auf 100 km/h zurück. 

 

 

 

 

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LG Annette;)